Deflation in Spanien – Angst vor Investitionen

Deflation in Spanien

Was die Verbraucher freut, ist für Ökonomen eine Horrorvorstellung: Spanien ist erstmals seit Oktober 2009 wieder in die Deflation gerutscht. Die Verbraucherpreise sind im März im Durschschnitt um 0,2 Prozent gesunken. Im Februar konnte noch eine leichte Inflation von 0,1 Prozent in Spanien vermeldet werden.

Die überraschende Nachricht kam bereits am Freitag aus der spanischen Statistikbehörde. An den Börsen und Devisenmärkten wird sogar mit einer noch höheren Deflation gerechnet, was darauf schließen lässt, dass die EZB in nächster ihre Geldpolitk weiter lockert, damit den Risiken eines Preisverfalls entgegengewirkt werden kann. Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone und damit ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaftswährung. Bereits seit Monaten kämpft das Urlaubsland mit einer ungewöhnlich niedrigen Teuerungsrate. Schon seit Mitte letzten Jahres liegt die Inflationsrate demnach bei weniger als 0,5 Prozent. Obwohl in Deutschland die Preise zurzeit bei einer Inflationsrate von einem Prozent relativ stabil sind, hätte ein Preisverfall in Spanien auch in Deutschland Folgen.

Deflation in Spanien

Deflation bezeichnet sinkende Preise in allen Branchen und bei allen Produkten. Im ersten Moment freuen sich natürlich die Verbraucher, die sich bei sinkenden Preisen zunächst mehr kaufen können. Da Konsumenten bei einer Deflation jedoch davon ausgehen, dass die Preise in Zukunft noch weiter fallen werden, verschieben sie ihre größeren Investitionen in die Zukunft. Aufgrund des fehlenden Konsums wird ein gefährlicher Mechanismus in Gang gesetzt, den viele Ökonomen sogar als gravierender sehen, als die vielgefürchtete Inflation:

Wenn weniger Menschen einkaufen gehen, machen die Unternehmen keinen Gewinn mehr und verschieben ihrerseits Investitionen in die Zukunft, da auch sie die Hoffnung auf sinkende Preise haben. Dadurch werden keine neuen Mitarbeiter eingestellt und im Extremfall finden sogar Entlassungen statt. Durch die steigende Arbeitslosigkeit können sich die Menschen noch weniger leisten, der Druck auf die Preise nimmt weiter zu und die Konjunktur wird nachhaltig geschwächt. Dies hat außerdem noch zur Folge, dass der Staat aufgrund fehlender Steuereinnahmen höhere Schulden macht und mehr Sozialleistungen zahlen muss.

Zur Zeit noch keine Auswirkungen

Die leichte Deflation in Spanien hat Experten zu Folge bisher noch keine Auswirkungen auf Konsumentscheidungen. Zumal ein wichtiger Faktor auch das Osterfest ist, welches in diesem Jahr später stattfindet. Dadurch kommen weniger Touristen in das Land, die in der Regel eine leichte Teuerung der Produkte auslösen. Im letzten Jahr wurde bereits Ende März Semana Santa gefeiert. Ebenfalls sind in Spanien etwas zwei Drittel der fallenden Preise im Nahrungs- und Energiesektor festzustellen. Diese Sektoren haben keinen Einfluss auf Investitionen.






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