Google News in Spanien eingestellt – 15% weniger Besucher für Online-Medien

Google News Spanien

Am 16. Dezember 2014 wurde Google News in Spanien offiziell abgeschaltet. Damit hat der Internetriese auf ein neues Gesetz reagiert, mit dem vor allem die großen Verlage Geld für die Veröffentlichung von Textausschnitten erzwingen wollten.

Die Verlage um die großen Zeitungen El Mundo und El País hatten in der Politik Druck aufgebaut, damit so etwas wie das Leistungsschutzrecht zu Stande kommt. Ab 1. Januar 2015 tritt nun das “Google-Gesetz” in Kraft. Laut dem neuen Gesetz müsste Google nun für kleinste Textausschnitte zahlen, die auf den Seiten von Google News angezeigt werden. Die Verlage hatte gehofft, dass sie damit von Google eine Menge Geld kassieren könnten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Google hat seine News-Seiten in Spanien einfach geschlossen.

Spanien erstes Land ohne Google News

Damit ist Spanien das erste Land, in dem Google News geschlossen wurde. Denn anders als in Deutschland entscheidet nicht der Verlag, ob nach dem Leistungsschutzrecht eine Abgabe fällig wird. Google müsste in jedem Fall für die Nutzung der kleinen Textausschnitte zahlen. Ob die Verlage nun wollen oder nicht. Google-News Chef Richard Gingras sei dies jedoch zu teuer. Außerdem argumentiert er, dass Google mit den News-Seiten schließlich kein Geld verdiene, da es keinerlei Werbeeinblendungen gebe.

So kam es also wie es kommen musste. Gingras schrieb auf seinem Blog: “Mit großen Bedauern werden wir am 16. Dezember spanische Verlage von Google News entfernen.” Einige Verlage versuchten diesen Vorhaben noch in letzter Sekunde zu stoppen. Schließlich leitet Google News jede Menge Traffic über die Links auf die Verlagsseiten. Durch die hohe Besucherzahl, die durch Google auf die Seiten strömt werden Werbeeinnahmen generiert. Also eigentlich eine akzeptable Situation für beide Parteien: Google nutzt kleine Textausschnitte und verlinkt auf die Verlagsseiten und im Gegenzug erhöhen sich die Besucher und Werbeeinnahmen der News-Portale.

Google News SpanienDies sehen aber vor allem die großen Verlage anders. Sie argumentieren mit dem Urheberrecht, welches durch die Einblendung der Ausschnitte verletzt werde. Die Verlage haben vor allem damit gerechnet in Zeiten von kostenlosen Online-Medien durch die “Google-Steuer” eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle zu finden. Durch die Einstellung des Portals müssen sie nun aber mit dem Gegenteil rechnen. in den ersten Tagen nach Schließung der News-Seiten verzeichneten die großen Portale einen Besucherrückgang von bis zu 15 Prozent. Dies meldete Chartbeat, eine Anbieter von Statistiktools, der bei vielen spanischen Newsseiten eingesetzt wird.

“Kleine Verlage sind die Verlierer”

Wesentlich höher werden die Verluste bei kleineren Nachrichtenportalen sein. Denn durch die bekannten Marken von Zeitungen wie El País oder El Mundo werden die Internetuser sich ihre News dort wohl in Zukunft direkt und ohne den Umweg über Google News holen. Gerade kleinere Seiten hatten durch Google News jedoch besonders profitiert, da auch ihre Nachrichten prominent in den Ergebnissen der Newsseiten gelistet wurden. Netzaktivisten kritisieren, dass durch die “Google-Steuer” ein erheblicher Angriff auf die Meinungsfreiheit in Spanien vorgenommen werde, da nun nicht mehr alle Medien die gleichen Chancen hätten. Blogger sprechen sogar von einem Rückfall Spaniens in das “mediale Mittelalter”.

Auf der anderen Seite feiert sich Spaniens Kulturminister José Ignacio selbst und bezeichnet das Gesetz zum Schutz des geistigen Eigentums als “Pioniertat”. “Dies ist der wichtigste Schritt, den jemals eine spanische Regierung zum Schutz der Presse getan hat”, erklärte auch der Präsident der spanischen Zeitungsverleger Luis Enríquez. Die Regierungspartei PP, die eine absolute Mehrheit in Spanien vertritt, hat dieses Gesetz mit einer großen Mehrheit (172 gegen 144 bei drei Enthaltungen) verabschiedet.

Die Opposition moniert jedoch, dass die Regierung das Urheberrecht mit dem Leistungsschutz recht vermischt. In der Tat besteht in Sachen Urheberrecht in Spanien noch Einiges an Nachholbedarf. Spanien ist das europäische Land mit den meisten illegalen Downloads. Google argumentiert jedoch anders:

“Wir machen uns keine fremden Inhalten zu eigen”, so Gingras. Es werden keine Inhalte geklaut, sondern im Gegenteil, sogar noch Werbung für die Verlage betrieben. In der Tat dürfte die Verbreitung von zwei Textzeilen mit Verlinkung inklusive kaum mit dem Urheberrecht rechtfertigen lassen. Verbände kleinerer Verleger, ebenso wie der Arbeitgeberverband CEOE plädieren daher für eine Lösung ähnlich, wie es sie in Deutschland gibt: Jeder Verlag entscheidet für sich, ob er eine Abgabe von Google einfordert oder nicht. Damit sind die großen Verleger wie Prisa (“El País”), Grupo Godó (“La Vanguardia”), Vocento und Unidad Editorial (“El Mundo”, “ABC”) jedoch nicht einverstanden. Die Politik hat sich ebenfalls auf die Seite der großen Verleger gestellt.

Zurzeit erscheint beim Aufruf der spanischen Google News-Seite ein Forenbeitrag, der dieses Problem auf spanisch und englisch erläutert. Über die deutsche Google News-Seite und auch über andere internationale Pendants sind spanische Beiträge jedoch noch zu erreichen. Doch auch das soll sich laut Google in Kürze ändern. Die spanischen Verlage werden dann komplett aus dem News-Angebot von Google verbannt werden.

Bald Lizenzgebühren für Links?

Das neue Gesetz ist aber noch aus einer anderen Perspektive gesehen interessant: Wenn laut diesem Gesetz bereits ein zwei-zeiliger verlinkter Textauszug gegen das Urheberrecht verstößt, dann könnte theoretisch für jede Art von Verlinkung im Internet in Zukunft eine Gebühr verlangt werden. Sei es durch verlinken im eigenen Blog oder durch teilen auf Facebook oder Twitter. So weit wird es zwar höchstwahrscheinlich niemals kommen, trotzdem zeigt es, dass das neue Gesetz wenig durchdacht und schlecht umsetzbar ist. Vor allem der nicht verhandelbare Zwang bei dieser Abgabe birgt gewaltige Unsicherheiten bei allen Beteiligten.

So lange die Verleger also nicht selbst entscheiden dürfen, ob sie eine Abgabe verlangen oder nicht, bleibt die Google News-Seite also geschlossen. Der Leidtragende dürfte am Ende der Nutzer sein, der schwieriger an relevante Informationen kommt.






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