“Sonnensteuer” – Spanien beschließt Abgaben der Eigenverbrauchsanlagen

Photovoltaik

Ab April 2016 müssen die Spanier Abgaben für die erzeugte Energiemenge und installierte Leistung ihrer Photovoltaik-Eigenverbrauchsanlagen zahlen. Zudem soll überschüssiger Strom, der ins Netz eingespeist wird nicht mehr vergütet werden. Unattraktive Aussichten für den Fortschritt der erneuerbaren Energienutzung in Spanien.

Am Freitag hat der spanische Ministerrat neue Regeln für den Eigenverbrauch von Solarstrom verabschiedet. Betreiber netzgebundener Photovoltaik-Anlagen sollen künftig Abgaben für den solaren Eigenverbrauch leisten. Die Abgaben werden auf die erzeugte Energiemenge und installierte Nennleistung erhoben. Die Nennleistung bezieht sich auf die Leistung der Photovoltaik-Anlage bei standardisierten Testbedingungen.

Ausgenommen von der Abgabe auf die erzeugte Energiemenge sind Anlagen mit weniger als 10 Kilowatt Peak, ebenso wie Anlagen auf spanischen Inseln. Von der Abgabe auf die installierte Nennleistung ist jedoch kein Betreiber befreit. Die Abgaben greifen jedoch noch weiter, die Vergütung von überschüssig erzeugtem Strom, wird bei einer zu “geringen” Menge eingestellt. Betreiber von Eigenverbrauchsanlagen, die weniger als 100 Kilowatt Nennleistung Überschussstrom erzeugen, sollen in Zukunft ihren Strom ohne jede Vergütung in das Netz einspeisen, den Strom also verschenken. Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt müssen sich registrieren lassen, um Überschussstrom an der Strombörse verkaufen zu dürfen. Wer seinen Überschussstrom jetzt nicht mehr ins Gesamtnetz einspeisen möchte, der darf zwar Batteriespeicher einsetzen, muss aber für die erzeugte Energiemenge Abgaben leisten.

Der Ministerrat verteidigt die Neuregelungen mit einem unausgegorenen Gesellschaftsgedanken, so sollen die Abgaben eine „Beteiligung an den generellen Systemkosten“ sein. Dass jedoch mit diesen Gesetzen zukünftige Photovoltaik-Nutzer abgeschreckt und Jetzige mit bürokratischem Mehraufwand und finanziellen Einbußen bestraft werden, entgeht dem Rat. Der Verband der Erneuerbaren Energien ANIPER bezeichnet die Neuregelungen als eine „Perversion der Demokratie“, die Spaniens Entwicklung hin zu einem neuen Energiemodell verzögert.

Die neuen Regelungen werden nicht zur Netzstabilisierung beitragen, kritisiert der spanische Photovoltaik-Verband UNEF, was den solaren Eigenverbrauch zusätzlich unattraktiver macht. Durch die „unberechtigte Sonnensteuer“, erklärt UNEF-Präsident Jorge Barredo, müssen Betreiber von Eigenverbrauchsanlagen mehr Gebühren für die Netznutzung zahlen als andere, obwohl sie das Stromnetz weniger nutzen und unentgeltlich Strom in das Gesamtnetz einspeisen.



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