Spanische Weihnachtslotterie darf weiter besungen werden

Weihnachslotterie_Wikipedia

Fast hätte ein neues Jugendschutzgesetz die alte Tradition der spanischen Weihnachtslotterie gekippt. Das besondere an der Ziehung ist, dass die Glückskinder nicht nur die Gewinnzahlen verkünden, sondern die Niños singen sie.

Die Kinder der Madrider Schule San Ildefonso jubeln, Jugendschützer schütteln den Kopf. Aber eigentlich sind alle ganz froh, dass die “Sorteo Extraordinario de Navidad” (spanische Weihnachtslotterie) wie gewohnt stattfindet. Dabei hätte fast ein neu erlassenes Jugendschutzgesetz die traditionelle Zeremonie gebrochen. Laut dem neuen Gesetz sind alle Arten von Glücksspielwerbung mit Minderjährigen verboten. Traditionell werden bei der Ziehung die Gewinnzahlen von ausgewählten Mädchen und Jungen der Madrider Schule nicht einfach nur vorgelesen, sondern gesungen.

Ursprünglich wurde die staatliche Lotterie 1763 nach der Idee eines spanischen Ministers unter dem spanischen König Carlos III eingeführt. Das Land brauchte Geld um die Kosten der Kolonialisierung und den damit verbundenen Kriegen in Neuspanien, dem heutigen Mexiko, begleichen zu können. Mit der staatlichen Lotterie konnten die Staatseinnahmen vermehrt werden, ohne dass die Steuern erhöht wurden. Noch heute ist die staatliche Lotteriegesellschaft L.A.E (Loterías y Apuestas del Estado) eine wichtige Einnahmequelle. Die erste Ziehung der Weihnachtslotterie fand am 18. Dezember 1812 in Cádiz statt. Heute wird sie am Morgen des 22. Dezembers in Madrid nach der gleichen Zeremonie abgehalten und kommt einem nationalen Feiertag sehr nahe.

Das neu eingeführte Jugendschutzgesetz wurde eingeführt, um der Verharmlosung von Glücksspielen und die damit verbundene Suchtgefahr einzudämmen. Die spanische Regierung erließ das Gesetz, damit der Einstieg in die Spielsucht nicht schon in frühen Kinderjahren geebnet wird. Kinder und Jugendliche sind besonders sensibel für sogenannte psychologische Trigger, die ihnen den jeweiligen Werbespot als Realität verkaufen. So kann schnell der Kauf eines Rubbelloses zur Normalität werden. Die Bereitschaft zum Münzeinwurf in den nächsten blinkenden einarmigen Banditen steigt und damit auch das Suchtpotenzial nach Glücksspielen.

Spanien ist jedoch sehr stolz auf seine Traditionen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Regierung die Weihnachtslotterie von diesem Gesetz ausgenommen hat. Jetzt liegt die Verantwortung bei den Eltern und Bildungseinrichtungen, um den Kindern und Jugendlichen den Sinn dieser Tradition zu vermitteln und auf die Gefahren hinzuweisen. Eine Tradition an sich ist etwas ganz Besonderes und schürt den Gemeinschaftssinn. Denn jeder kann sich an einem traditionellen Tag sicher sein, dass fast alle das gleiche tun. Und so werden auch an diesem 22. Dezember, viele Familien oder Arbeitskollegen gespannt vor dem Fernseher sitzen und den vorgesungenen Gewinnzahlen lauschen.






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