Ruta de los Pueblos Blancos – Die Weißen Dörfer Andalusiens: Grazalema

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Die Altstadt Grazalemas war früher die römische Siedlung Lacíbula, welche in den Jahrhunderten der maurischen Herrschaft vergrößert wurde und deren typischen architektonischen Stil annahm. Das Dorf wurde erst 1485 im Zuge der Reconquista (Rückeroberung), welche schon 718 begann und 1492 das Ende des maurischen al-Andalus bedeutete, von den katholischen Spaniern erobert. In 17. Jahrhundert wurde die barocke Dorfkirche Iglesia Parroquial errichtet.

Das traditionelle Handwerk der Grazalemeños, wie die Bewohner genannt werden, wird bis heute von Generation zu Generation weiter gegeben: Flechtarbeiten aus Espartogras, Schafs‑ und Ziegenkäse, Wollwaren, Korkmöbel, Seife und Kosmetika aus Olivenöl, Leder‑ und Keramikarbeiten. Früher wurden viele Flächen des heutigen Naturpark Sierra de Grazalema landwirtschaftlich genutzt, heute ist dies nur noch eingeschränkt möglich, daher ist für viele Bewohner der Tourismus eine wesentliche Einnahmequelle.

Im Oktober wird das Historienspiel “Sangre y amor en la Sierra” (“Blut und Liebe in den Bergen”), welches im Jahre 1832 spielt und vom Leben des Räubers José María “El Tempranillo” handelt. Es bietet einen Einblick in das Berg- und Räuberleben jener Zeit.

Grazalema ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Kletterer, für Letztere ist insbesondere der Peñón Grande interessant. Die beliebte Wanderroute El Pinsapar führt durch einen dichten Wald von Pinsapo-Tannen, eine Baumart, welche bereits in der Terziärzeit existierte.

Bemerkenswert für Grazalema ist das Klima. Mit 2132 l/m² herrscht hier die höchste jährliche Niederschlagsmenge ganz Spaniens. Selbst nur wenige Kilometer entfernte Nachbarorte erreichen knapp ein Viertel dieser Menge. Dies rührt von dem Atlantikwind welcher auf seinem Weg von der Südwestküste in das Landesinnere, als Erstes auf die Bergkette Grazalemas trifft. Der Wind kühlt durch die Höhe des Berges schnell ab, dadurch bilden sich Wolken und es kommt zu Niederschlägen. Der Regen fällt hauptsächlich zwischen September und April, meistens in kurzen heftigen Güssen. Das Wasser fließt rasch über Kanäle in Flussbetten und Flüsse, welche sonst trocken liegen.

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