Ruta de los Pueblos Blancos – Die Weißen Dörfer Andalusiens: Setenil de las Bodegas

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Setenil de las Bodegas ist ein ganz besonders skurriles und schönes Weißes Dorf. Bei seinem Anblick entsteht öfter durch die Verschwimmung der Perspektiven der Eindruck, dass man einer Sinnestäuschung unterliegt. Im Gegensatz zu den anderen Weißen Dörfern, die sich in den Berggipfeln erheben, liegt Setenil de las Bodegas in einem Canyon. Einst höhlte der Río Guadalporcún die Felswende aus, in denen sich später die Ortschaft ansiedelte. Vor allem im Ortskern findet man Häuser, welche in die steilen Felswände hineingebaut wurden. Dabei dienen die überragenden Felsen als Dächer, wodurch das Dorf halb unterirdisch angelegt ist. Heute plätschert nur noch ein kleines Flüsschen, der Río Trejo durch das Dorf. Durch die einzigartige Akustik zwischen den Felswänden kann man an einzelnen Standpunkten den alten Geist des einst großen Flusses tosen hören.

Der Name Setenil ist lateinischen Ursprungs und bedeutet Sieben Mal Nichts (lat. septem nihil) und rührt aus der Zeit der Eroberung des maurischen Spaniens durch die Katholischen Könige her. Die Gegend um Setenil de las Bodegas war ca. 200 Jahre lang Grenzgebiet zwischen den Mauren und Christen. Sieben Anläufe brauchte das Heer der Katholischen Könige, bevor das Dorf 1485 in christliche Hand viel.

Das Dorf erhielt seinen vollständigen Namen Setenil de las Bodegas durch die Nähe zur Provinz Málaga. In dem Gebirgsland von Ronda wurde früher Wein angebaut, welcher in den Höhlenbodegas von Setenil verkauft wurde. Daher sind die beiden Bodegastraßen Cuevas del Sol und Cuevas de al Sombra bei einem Besuch ein absolutes Muss. Wer nicht auf der langen Warteliste der Sonnenbodegas stehen möchte, begnügt sich damit in der gegenüberliegenden Bar Sol y Sombra bei Vino und Tartita de Berenjena con Cabra y Miel ein Blick auf das wuselnde Treiben zu werfen.

Neben den Überresten der Burg beherbergt die gotischen Kirche Nuestra Señora De La Encarnación ein wunderbares Triptychon im Renaissancebaustil und ein gesticktes Messgewand, welches ein Geschenk der katholischen Königin Isabella war. Von der mittelalterlichen Burg aus dem 14. bis 15. Jahrhundert sind nur noch der Wehrturm und eine Zisterne erhalten. In dem alten Rathaus, die Antigua Casa Consistorial aus dem 16. Jahrhundert mit einer seltenen Mudéja Decke aus Holz, befindet sich die Touristeninformation. Zum Kulturerbe gehören noch die Wallfahrtskapellen Nuestra Señora del Carmen und San Sebastián. Die 6 Kilometer lange Wanderroute Ruta de los Molinos führt vorbei an alten Windmühlen zum nächsten Weißen Dorf Alcalá del Valle.