Spanische Parlamentswahlen: Im TV-Duell Rajoy versus Sánchez flogen die Fetzen

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Am Sonntag wird in Spanien das neue Regierungsparlament gewählt. So knapp vor der Wahl sind besonders die großen Parteien PSOE und PP bemüht, ihre Stammwähler zu überzeugen, bevor sie sich dem neuen politischen Wind anschließen. Statt einer aufrichtigen Diskussion über lebensnahe Sozialthemen, glich die gestrige TV-Debatte jedoch einem Hahnenkampf. Klarer Sieger waren die abwesenden Parteien Ciudadanos und Podemos.

In den vergangenen Tagen stieg überraschend die Wählerschaft der PP, selbst im sonst so sozialistischen Andalusien. Dabei hat der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy seine Sparpolitik zum Ungunsten der sozialen Verhältnisse seiner Landsleute ausgetragen. Die Wirtschaftskrise scheint zwar überwunden zu sein aber die hohe Arbeitslosigkeit und die niedrigen Löhne haben die Bevölkerung nicht gerade gütlich gestimmt. Bei dem TV-Duell am Monatsanfang ließ sich der Ministerpräsident von seiner beliebten Stellvertreterin Soraya Sáenz de Santamaría vertreten. Dieser Staatsstreich ging auf, zwar belächelten seine Rivalen diese Aktion, jedoch machte raunend ihre Bezeichnung der “spanischen la Merkel” die Runde.

Nach den neuesten Wahlprognosen vor dem gestrigen Duell liegt die regierende Partei PP (25,3%) knapp vor der sozialistischen Partei PSOE (21,0%), dicht gefolgt von der linken Protestpartei Podemos (19,1%) und den überraschend abgestiegenen Ciudadanos (18,2%). Anfang des Monats lagen PP, PSOE und Ciudadanos noch gleich auf. Als klare Sieger der Fernsehdebatte vom 6. Dezember zeichneten sich PP und Podemos ab. Eine Koalition mit der zur Zeit regierenden Partei PP möchte jedoch keine der anderen Parteien eingehen, so zumindest die Statements vor der Wahl.

Für den sozialistischen Oppositionsführer Pedro Sánchez war das TV-Duell der beiden Altparteien besonders  zur Rückeroberung der Wählerschaft wichtig. Der Schuss ging jedoch nach hinten los. Rajoy provozierte mit seiner aggressiven Herangehensweise den sonst so coolen Sánchez, der sich von dieser Grundstimmung leiten ließ und seine Gelassenheit hinter sich ließ. Gleich zu Beginn der Debatte, warf Sánchez die Korruptionsvorwürfe gegen Rajoy und die PP in den Raum. Rajoy konterte erzürnt mit den Korruptionsvorwürfe gegen die PSOE. Dabei entglitt die Debatte vollkommen und glich einem Hahnenkampf.

Die unentschlossene Wählerschaft, welche sich eine Debatte über Zukunftsperspektiven der in der Gesellschaft heiß diskutierten sozialen Themen erhofft hatte, wurde bei diesem Duell schwer enttäuscht. Die Themen wurden zwar am Rande der Korruptionsdebatte aufgegriffen, jedoch nicht auf politischer sondern persönlicher Ebene.

Zwischen Beschimpfungen und Stimmengewirr stießen die beiden Streithähne zudem ihre Zuschauer vor den Kopf, indem sie ihre Gehälter offenlegten. Sánchez kritisierte Rajoy, dass dieser vor vier Jahren das dreifache Gehalt eingestrichen hätte. Sánchez legte dabei offen, dass sein Gehalt jährlich 88.000 Euro betrage. Rajoy konterte, indem er das Gehalt des Oppositionsführers mit seinem Gehalt als Regierungschef verglich, welches bei 78.000 Euro liege. Das Jahresdurchschnittsgehalt der spanischen Bevölkerung liegt bei 21.600 Euro. Die Darstellung der hohen Differenz der Gehälter zwischen den Politikern und der Bevölkerung zeichnet sich nicht gerade als gute Wahlstrategie aus.

Laut Umfragen sind viele Spanier noch unentschlossen, welche Partei sie am Sonntag wählen werden. Beide Spitzenkandidaten der gestrigen Debatte haben den neu aufgeblühten Parteien Podemos und Ciudadanos mit ihrem Auftritt für die Wahl den Weg geebnet. Amüsiert kommentierten Pablo Iglesias und Albert Rivera via Tweets live das Spektakel. Podemos Kandidat Iglesias twitterte: “Es zeigen sich immer mehr Gründe für einen [politischen] Wandel.” Mit Spannung darf der Ausgang der Parlamentswahlen am 20. Dezember erwartet werden.

Foto: Twitter






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