Mut und Ehre – Die Schlacht von Chiclana

Kaum jemandem, der heute den Strand La Barrosa besucht, ist bewusst, dass er sich an einem geschichtsträchtigen Ort befindet. Denn dort – genauer gesagt auf dem als La Loma del Puerco bezeichneten Abschnitt – fand am 5. März vor 205 Jahren die in die spanische Geschichte eingegangene Schlacht von Chiclana statt.

Am 5. März 1811 trafen hier napoleonische und alliierte Truppen aufeinander und lieferten sich einen erbitterten Kampf Mann gegen Mann, der dank des Mutes und der Tapferkeit der spanischen und englischen Soldaten mit der Niederlage der Franzosen endete.

Die Vorgeschichte dieser Schlacht geht zurück auf den 7. Februar 1810, als Napoleon in Chiclana einfällt und dort einen Großteil der Truppen, die zur Belagerung der Isla de León (San Fernando) und Cádiz abgestellt wurden, stationiert. An dieser Stelle sei bemerkt, dass es sich hierbei um die beiden einzigen spanischen Städte handelt, die Napoleon nicht einnehmen konnte. Die Soldaten richteten ihr Quartier in der sich damals im Bau befindlichen Kirche von Chiclana – der Iglesia Mayor – ein, die ihnen gleichzeitig auch als Stallung diente.

Die Zentral- und Regierungsjunta des Königreichs hatte zu dieser Zeit angesichts der Invasion der napoleonischen Truppen in Cádiz Zuflucht gesucht. Von dort aus erklärte sie Napoleon offiziell den Krieg und ging zudem eine dreifache Allianz mit England und Portugal ein.

Etwa ein Jahr nach dem Einzug Napoleons in Chiclana fand die berühmte gleichnamige Schlacht statt, aus der die alliierten Truppen als Sieger hervorgingen.

Die spanischen Truppen wurden von Generalleutnant Manuel La Peña angeführt, dem mehr als 6.000 Soldaten in einer sehr gemischten Armee bestehend u. a. aus 500 Kavallerie- und 7 unterstützenden Artillerieeinheiten unterstanden.

Die alliierten Truppen wurden von Generalleutnant Sir Thomas Graham, einem kriegserfahrenen schottischen Aristokraten, angeführt, der etwa 5.100 Soldaten der englischen und portugiesischen Einheiten kommandierte.

Diesen Truppen stand das aus etwa 23.000 Soldaten bestehende von Marschall Claude-Victor Perrin angeführte Erste Armeekorps gegenüber, das seinen Befehlsposten am Strand La Barrosa, im Casa del Coto eingerichtet hatte. An der Ostfront, in den Provinzen Málaga und Granada, lag zudem das Vierte Armeekorps unter dem Befehl von Marschall Sebastiani mit weiteren 19.000 Soldaten bereit.

Gegen ein Uhr mittags des 5. März 1811 erhielt Generalleutnant Graham die Meldung, dass der Feind bis auf die Ebene vorgestoßen war und beschloss ohne weitere Beratung mit La Peña sich diesem entgegenzustellen. In dieser Schlacht gelangte insbesondere das Bataillon der Königlichen Irischen Schützen zu Ruhm, welches sich dem französischen Bataillon bis auf weniger als 60 Meter näherte. Als die Iren das Feuer eröffneten und mit ihren Bajonetts vorwärtsstürmten, legten sie eine derartige Verwegenheit an den Tag, dass der Feind ungeordnet die Flucht antrat. Die Schlacht dauerte kaum mehr als eine halbe Stunde und in dieser Zeit verzeichneten die Franzosen mehr als 2.000 Tote und Verletzte sowie 400 Gefangene. Graham seinerseits verlor 1.241 Soldaten zwischen Toten und Verletzten und die spanische Truppe etwa 300 Soldaten.

Manuel_Lapeña (1)Bei Einbruch der Nacht fanden sich Graham und La Peña im Casa del Coto zusammen, um das weitere Vorgehen zu planen, doch der Streit zwischen beiden führt dazu, dass sich Graham auf die Isla de León zurückzieht. Von dort aus lässt er anschließend mitteilen, dass für die nächste Operation nicht mit seiner Mitwirkung zu rechnen sei. La Peña schlägt dem Regentschaftsrat vor, die Aktionen gegen Napoleon ohne die Alliierten weiterzuführen, wird aber schließlich abberufen.

Erst im Februar 1815 ordnete der spanische König Fernando VII an, die für die Niederlage des französichen Marschalls Claude-Victor Perrin veantwortlichen Truppen mit dem  Orden „Cruz de Distinción de la Batalla de Chiclana“ auszuzeichnen. Weitere hundert Jahre später, im Juli 1914, ordnete der spanische König Alfonso XIII die Schaffung eines weiteren Ordens, der „Medalla del Centenario“ an, mit dem die Nachkommen der Teilnehmer jener Schlacht sowie jene, die an der Gedenkfeier zu deren einhundertjährigen Jubliläum mitwirkten, auszuzeichnen. Das dem Rathaus von Chiclana überreichte Silberne Kreuz kann noch den ganzen März über im städtischen Museum besichtigt werden.

Noch heute erinnert am Loma del Puerco ein Monument mit einer Gedenktafel an jene, die in der Schlacht von Chiclana ihr Leben ließen und jedes Jahr am 5. März findet sich dort eine Gruppe Engländer ein, um ihren gefallenen Vorfahren zu gedenken.

Auch in der Iglesia Mayor in Chiclana sind noch heute Spuren dieser Tage in Form von Malereien, die die französischen Soldaten im Grabgewölbe hinterlassen haben, zu erkennen.



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