Siestapflicht im spanischen Ador

Siestapflicht in Ador

Mit der zunehmenden Anpassung der spanischen Kultur an Europa ist in vielen Regionen die jahrhundertelange Tradition der Siesta verloren gegangen. Das spanischen Dörfchen Ador bei Valencia führt nun die Siesta als heilige Pflicht ein.

Wie die Welt berichtet, hat der neue Bürgermeister Joan Faus nun in einem Erlass eine Siestapflicht verordnet. Nicht nur die Läden bleiben geschlossen, sondern jedwede Arbeit wird niedergelegt. Sogar der Bademeister vom Schwimmbad hält sich an die Siesta, sodass Dieses in den Mittagsstunden, wenn die Sonne vom Himmel brennt, geschlossen wird.

Die Siesta in Spanien hat eine jahrhundertelange Tradition. Von zwei bis fünf Uhr Nachmittags wird die Arbeit niedergelegt, weil es in diesen heißen Stunden bei 40 Grad Celsius einfach unerträglich ist zu arbeiten. Im Anschluss wird weitergearbeitet, oft bis nach 22 Uhr hinaus.

Auf Traditionen besinnen

Mit dem Anschluss an das moderne Europa ist die Siesta-Tradition immer mehr verloren gegangen. Auf der einen Seite werden Spanier gerne als arbeitsunwillig verspottet, weil sie den ganzen Nachmittag hinter geschlossenen Rollläden verschlafen. Auf der anderen Seite fordern Tourismus und Industrie immer öfter eine Anpassung der Arbeit an internationale Gepflogenheiten.

Das spanische Dorf Ador hingegen möchte jetzt wieder zu diesen alten Traditionen zurückkehren. Ähnlich wie die deutschen Ladenschlussgesetze soll in Ador zwischen zwei und fünf Uhr nicht mehr gearbeitet werden. Bürgermeister Faus möchte damit die Ruhe aller gewährleisten, damit die Mittagshitze zu ertragen ist. Die 1.400 Einwohner sind begeistert und folgen dem Erlass bereitwillig.

Faule Spanier? Arbeitsunwillig?

Mit Einführung der Klimaanlagen in den Büros der Großstädte wurde auch die Siesta nach und nach überflüssig. Jedoch arbeiten nicht alle Menschen, vor allen Dingen nicht in den Dörfern, in kühlen Großraumbüros. Nordeuropäer haben nur eine vage Vorstellung davon, was es heißt bei Temperaturen von 40 Grad und mehr Leistung bringen zu müssen. Faul sind die Spanier deshalb aber noch lange nicht. Denn bei einer Nettoarbeitszeit von 1.686 Jahresstunden laut OECD arbeiten die Spanier wesentlich mehr und länger als die Deutschen, die im Schnitt nur 1.397 Stunden im Jahr arbeiten. Die Siesta wird seit jeher genutzt um neue Energie für die Aufgaben der Abendstunden zu tanken.

Der Siesta-Erlass sei laut Bürgermeister Faus aber keinesfalls ein Gesetz, welches strikt eingehalten werden müsse, sondern nur eine Empfehlung für das Allgemeinwohl und das gute Zusammenleben in der Dorfgemeinschaft. Vielleicht macht das Beispiel des spanischen Dörfchens Ador bei Valencia ja Schule und es besinnen sich noch andere Regionen auf die ursprünglichen Traditionen Spaniens. So mancher Großstadt-Workaholic dürfte zumindest neidisch nach Ador schauen.






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